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08: Wie du anfängst zu investieren & 4 Sachen, die du vorher wissen musst
Oder: Wie spielen Zinsen, Rendite und Inflation zusammen?

Moin ✌🏼
wir haben uns ebenfalls eine kleine Pause gegönnt und sind jetzt aber wieder für euch da!
In der heutigen Ausgabe:
Ist dieses 70/30 ETF-Portfolio die beste Strategie für eine hohe Rendite?
Wie Paare ihre Finanzen managen sollten
Was du gegen die Erhöhungen der Krankenkasse machen kannst
4 Sachen, die du zum Thema “Investieren” auf jeden Fall wissen musst
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Wie immer vorweg: Keiner unserer Inhalte stellt Finanz-, Rechts- oder Steuerberatung dar, sondern dient lediglich der Unterhaltung. Falls du mehr wissen willst, lies bitte unseren Disclaimer.
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👀 Falls du die letzte Ausgabe 07 verpasst hast: Warum das Konzept "Personal Finance" überbewertet wird
💸 Wie die Reichen einen Milliarden-Steuerraub organisierten: Ex-Staatsanwältin Anne Brorhilker erzählt über den Cum/Ex-Prozess & wie dysfunktional unser System ist (Link) => ich habe direkt im Anschluss eine Spende an den Finanzwende e.V. getätigt
📈 Beste Renditen über lange Zeit: Ist die 70/30 ETF-Strategie die beste der Welt? Thomas erläutert euch seine Perspektive und verrät, in welche er investiert (Link)
💰 Finanzen bei Paaren: Geld-Guru Ramit Sethi spricht über sein neues Buch, in dem es darum geht, wie man als Paar seine Finanzen managen sollte (Link)
🏥 Krankenkassen 2025 noch teurer als gedacht: Was jetzt zu tun ist & wie du viel Geld sparen kannst, erklärt dir Finanztip in diesem Artikel (Link)
DEEP DIVE
Was bedeutet “investieren” eigentlich & 4 Sachen, die du auf jeden Fall vorher verstehen musst
Disclaimer: Ich verwende in diesem Artikel aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit neutrale, maskuline Pluralformen für alle Geschlechter und Konstellationen.

Dies ist die erste Ausgabe, in der wir versuchen werden, ein paar der fundamentalen Punkte zusammenzubringen. Wir haben folgende Erkenntnisse gewonnen, die mandatory sind:
Wir müssen vermögend werden, da alles Andere im Bezug auf uns selbst und auf unsere Nächsten fahrlässig wäre (auf Dritte verlassen, wie den Staat oder die Betriebsrente)
Wir müssen das Thema selbst in die Hand nehmen, da kein Anderer einen Anreiz hat, uns bestmöglich zu beraten und v. a. Entscheidungen für uns zu treffen (Link zu einer beispielhafte Quelle)
Wir benötigen eine primäre Einkommensquelle, die nach Abzug von den Grundausgaben genug zum Sparen abwirft (Link zur Quelle).
Diese Grundausgaben bestehen hauptsächlich aus Fixkosten (Miete + Lebensmittel + Logistik) und intentionalen Konsumausgaben (Link zur Quelle - Ramit Sethi nennt es guilt-free spending).
Wie wir ein möglichst hohes Primäreinkommen “herausholen”, besprechen wir in einer anderen Ausgabe.
Wir müssen uns mit dem Ersparten ein Sicherheitsnetz aufbauen, um unabhängig von Märkten agil zu bleiben (z. B. hohe Kosten beim Auto, bei anderem Eigentum oder das Tragen von Fixkosten, bei einer Entlassung). Hier kannst du eine Geschichte aus meinem Leben dazu lesen.
Den Rest müssen wir (möglichst früh im Leben) in min. eine der angesprochenen Investmentklassen investieren (Link zur Quelle).
All die oben genannten Punkte erfordern, dass wir uns zumindest einmal mit dem eigenen Finanzkonzept sowie den eigenen Präferenzen auseinandersetzen, wozu Pascal (Link) und ich (Link) euch zwei sehr unterschiedliche Perspektiven gegeben haben.
Dazu kommt der optionale Punkt, dass wir uns einen Partner suchen, mit dem wir frühzeitig zusätzliches Kapital sowie eine risikomindernde Komponente der Gleichung hinzufügen.
Alles klar, dann steigen wir mal tiefer ein.
Zinseffekt
Endlich werden wir etwas technischer, wobei ich versuchen werde alles einfach zu erklären. Deswegen fangen wir ganz einfach an.
Und nein, ihr habt richtig gelesen: Es geht erstmal um den Zins, der wichtigsten Komponente im Kapitalismus und damit bei unserem Vermögensaufbau.
Was ist ein “Zins” überhaupt? Ganz einfach ausgedrückt, ist der Zins eine Provision, die ihr entweder an jemanden zahlt, weil ihr euch Geld geliehen habt oder den euch jemand zahlt, weil ihr ihm Geld geliehen habt.
Beides anhand von Beispielen erklärt:
Du kaufst dir etwas Teures (typischerweise Immobilie oder Auto) und eine Bank leiht dir das Geld, wofür Sie die geliehene Summe + eine Zinssumme erhält
Du legst Geld auf dein Tagesgeldkonto, wovon deine Bank einen Teil nimmt und ihn an jemanden verleiht, der sich eine Immobilie oder ein Auto kaufen möchte
Ergibt Sinn, oder? Du wusstest nicht, dass die Bank dein Geld einfach nutzt und damit mehr Geld verdient? Doch doch. Das ist die seit 2008/2009 erhöhte “Eigenkapitalquote”, von der ihr bestimmt schon einmal gehört habt (Link).
1/ Unser wichtigster Verbündeter: der Zinseszinseffekt
Die Macht des Zinseszinses unterliegt drei Variabeln:
Dem Zins, den man auf das eigensetzte Kapital erhält (auch Eigenkapitalrendite genannt)
Dem Zeitraum, in dem in regulären Zeitabständen den Zins auf das eingesetzte Kapital erhält (normalerweise auf Jahresbasis gerechnet)
Dem bösen Zwillingsbruder des Zinseszinseffekts: der Inflation
Hier ist ein einfaches Beispiel aus dem Buch “The Algebra of Wealth” von Scott Galloway, das euch zeigt, wie die jährliche Rendite auf das eingesetzt Kapital (also, dem Zinseszins) sich über einen langen Zeitraum entwickelt.
Das folgende Diagramm zeigt das Wachstum deines Vermögens, wenn du zehn Jahre lang jährlich $12.000 zu 8 % investierst und dann aufhörst, deine Erträge zu beobachten. Wenn du auf diese Weise zwischen 25 und 35 Jahren beginnst zu investieren, wirst du mit 65 mehrfacher Millionär sein, während du bei einem Start mit 45 Jahren “nur” $500.000 haben wirst (die Währung ist selbstverständlich komplett austauschbar).
Unsere Erkenntnis: Investieren ist wie einen Baum planzen; der beste Zeitpunkt, zu starten, war vor zehn Jahren - der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt.
2/ Unser wichtigster Bösewicht: die Inflation
Wie von Jacob vor einigen Wochen bereits richtig erwähnt:
Während deine Renditen sich durch den Zinseszinseffekt vermehren und dein Vermögen steigern, nutzt die Inflation denselben Zinseszinseffekt, um es zu verringern. Inflation ist wie ein Nagetier, das an den Säulen deines Vermögens nagt. Sie ist unvermeidlich, aber nicht unausweichlich. Du musst nur schneller sein als sie.
Wichtig ist auch, dass Inflation nicht gleichmäßig über alle Waren und Dienstleistungen verteilt ist. Technologie kann deflationär sein – Computer oder Fernseher sind beispielsweise billiger geworden. Hier findest du ein Beispiel, wie unterschiedliche Waren & Dienstleistungen sich entwickelt haben aus den USA, da ich leider für den deutschen Markt keine schöne Grafik gefunden habe:
Unsere Erkenntnis: Ein Einkommen von 100.000 € pro Jahr klingt heute nach einem schönen Lebensstil, bis du daran denkst, dass 100.000 € in 30 Jahren die Kaufkraft von 41.200 € heute haben werden. Oder mit anderen Worten: Wenn etwas vor zehn Jahren 100 € gekostet hat und es seitdem eine Inflation von 3 % gab, ist es in “heutigen Euros” 134 € (auch Realwert genannt).
3/ Reale Renditen: Zinsen vs. Inflation
Ich sagte, der einzige Weg, der Inflation zu entkommen, ist, sie zu überholen. Wenn du eine Inflationsrate von 3 % erwartest, bedeutet das, dass du mindestens 3 % auf deine Ersparnisse verdienen musst, um deine Kaufkraft zu erhalten. Aber du willst deine Kaufkraft nicht nur erhalten, sondern steigern.
Dafür benötigst du eine „reale“ Rendite, also die Rendite deines eingesetzten Eigenkapitals über der Inflation. Du kannst dies annähernd berechnen, indem du die Inflationsrate von deinem Zinssatz bzw. deiner Rendite abziehst: Wenn du 8 % auf dein Geld verdienst, während die Inflation bei 3 % liegt, ergibt sich eine reale Rendite von etwa 5 %.
4/ Deswegen ist die Eigenkapitalrendite die wichtigste Kennzahl

Wenn ihr gelesen habt, dass ihr mit 8 %/Jahr Wachstum in euren ETFs rechnen könnt, dann ist das also die Eigenkapitalrendite. Du gibst 100 € in den ETF und erhältst (hoffentlich) im Durchschnitt 8 % im Jahr Rendite. Was dies auf eine hohe Jahresanzahl bedeutet, habe ich beim Zinseszinseffekt erklärt.
Wenn du ein Tagesgeldkonto hast, das dir 3 % auszahlt, dann ist das ebenfalls deine Eigenkapitalrendite.
Warum ist Eigenkapitalrendite so wichtig? Weil du alle Investments auf Basis der folgenden drei Dimensionen vergleichst:
Reale Eigenkapitalrendite
Risiko (oft auch mit Zeitraum verbunden)
Flexibilität (wie schnell kommst du an das eingesetzte Kapital wieder ran)
Alle drei zusammen ergeben die Opportunitätskosten:
Wenn du an dein Geld nicht herankommst, sollte die Rendite im Vergleich zu nicht-gebundenen Investitionen höher sein
Wenn du Geld in eine Immobilie steckst, kannst du es nicht in einen ETF stecken oder konsumieren
Crypto bietet eine sehr hohe Rendite mit deutlich höherem Risiko, was bei den Crypto-Währungen mit hoher Marktkapitalisierung wie Bitcoin oder Ethereum aber auf längere Zeit bisher trotzdem lohnenswert war
Was nun oft vergessen wird, - und das habe ich 2022 am eigenen Leib schmerzhaft miterlebt - ist das Einberechnen der Zentralbankzinsen. Und das gilt übrigens auch für Bitcoin (viele BTC Maximalisten behaupten, BTC sei Inflationsschutz), denn solange du Waren & Dienstleistungen nicht mit BTC bezahlen kannst bzw. der Händler den BTC gegen eine FIAT-Währung rechnet, wird eine höhere Inflation eine negative Wirkung auf den Wert jeglicher Investition haben. Dafür aber einen positiven Wert auf dein Cash, was wir aktuell an den Zinsen auf Tagesgeld- und Girokonten sehen.
Kommen wir zum Schluss
Alright, was heißt das jetzt in der Realität? Zwei Erkenntnisse:
Du musst die Inflation des Jahres von der Rendite abziehen (z. B. 8 % Rendite und 3 % Inflation = 5 % reale Rendite) und sie dann trotzdem geschlagen haben
Wenn die Inflation deutlich über 2 % steigt, erhöht die Zentralbank (egal ob die FED oder die EZB) den Zins, was zu einer negativeren Entwicklung aller Finanzmarkt-Indizes führt (und v. a. Crypto)
Das klingt jetzt alles sehr komplex, ich weiß. Ich will eigentlich nur sagen: Alle Investments haben Vor- und Nachteile, je nach Marktsituation. Und obwohl wir lang in die Zukunft planen, dürfen wir das Hier und Jetzt nicht außer Acht lassen, falls wir plötzlich, unvorhergesehen Kapitalbedarf haben.
Ja, was soll ich denn jetzt machen??
Sei dir bewusst, dass alle Investmententscheidungen - auch nicht zu investieren - vollkommen rationale Entscheidungen sein können:
Ich möchte im Moment maximal flexibel bleiben, weil ich mit Kosten beim Auto/meiner Immobilie rechne => behaltet es in Cash auf einem Konto
Ich möchte später im Leben Cashflow generieren, damit ich früher/weniger arbeiten muss und Flexibilität ist mit in den nächsten Jahren nicht so wichtig => Immobilien
Ich möchte einfach passiv investieren, um mich vorerst durch meine Arbeit meinen primären Einkommensstrom zu maximieren => breitgestreute ETFs
Was aber wirklich jeder jetzt proaktiv entscheiden sollte, ist seine Sparrate festzulegen und einen Teil automatisch zu investieren.
Die Basis - automatische Geldströme einrichten
Ich weiß, dass es banal klingt. Aber die simpelsten Methoden sind aus meiner Erfahrung die wirksamsten:
Ich möchte meinen Social-Media-Konsum verringern => App installieren, die die SM-Apps zu bestimmten Uhrzeiten blockiert
Ich möchte abnehmen => eine Mahlzeit weniger am Tag essen
Ich möchte Geld beiseite legen/investieren => Dauerauftrag auf ein drittes Konto einrichten
Es wirklich so, dass ich ab und zu denke: “Alter, wo ist mein Geld, das ich haben müsste??” Und dann realisiere ich, dass eben ein großer Teil in meinem ETF-Portfolio ist, wo es sich anfühlt, als sei es nicht da.
Welche Geldströme braucht man?
Ein Konto, wo das Gehalt/Einkommen eingeht
Ein Depot, auf das wir monatlich am Anfang einen festen Betrag überweisen, das wiederum in einen ETF-Sparplan fließt
Ein Tagesgeldkonto oder so, das ihr euch nie anschaut, wo die Sparrate hingeht, wo ihr auch einen - je nach Zinsniveau - ansehnlichen Zinssatz bekommt, damit die Inflation nicht ohne Widerstand den Wert des Geldes auffrisst
Der Rest kann (ohne schlechtes Gewissen) konsumiert werden.
OUTRO
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